Weihnachtspost vermutlich 1904

Peter ist etwas spät dran mit seinem Weihnachtsgeschenk. Es gibt also nur einen Brief nach Hause. Was auch immer das Geschenk werden soll, es wird wohl bis zur Abfahrt der Neujahrspost in 8 Tagen auch nicht fertig sein. Auf der S.M.S Sperber ist es kalt und zugig.

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Liebe Eltern und Geschwister

es nahet jetzt mit Riesenschritten
eins der schönsten Feste in
unserem Familienkreise.
Wo jedes Familienmitglied
danach strebt dem anderen
eine besondere Freude zu
machen. Aus diesem Grunde
liebe Eltern kann ich nicht
drum hin Euch ein paar
Zeilen zu diesem schönen
Feste zu schreibe. Ihr müßt
dies vorläufig als das
Geschenk annehmen und
hoffentlich wird es Euch auch
eine kleine Freude bereiten.

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Ich wollte Euch außerdem
noch eine kleine Freude be-
reiten, aber leider habe
ich zu spät darn gedacht
und die Folgen waren
daß es nicht fertig wurde.
Was es sein wird werdet
Ihr wohl schon erraten
wenn nicht, dann werdet
Ihr es ja sehen wenns im
neuen Jahr erscheinen
wird. Solange müßt
Ihr Euch gedulden. Denn
diese, die Weihnachtspost ist
die vorletzte Post die von
hier draußen weg geht.
Dann geht 8 Tage später
die Neujahrspost aber da
ist das Geschenk auch leider
noch nicht fertig.

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Hier passiert sonst nichts
besonderes was ich Euch
erzählen könnte.
Es ist hier jetzt schon
sehr kalt was für uns
auf dem Sperber nicht sehr
angenehm ist denn wir
habe keine Dampfheizung
ebenso [wie] wir kein eleqtrisches
Licht haben, sondern nur
Talglichter brennen.
Um der Kälte zu wehren
werden solche kleine [Ki...]
Öfen eingebaut wie Du
lieber Vater einen in Dei-
ner Bude auf dem Bahn-
hof hast. Aber leider nützen
die Dinger nicht viel, denn
auf einem Schiff ziehts aus
allen Ecken und Winkeln.
In ihrer nächsten Nähe ist
es ja ganz schön warm

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aber fünf Schritte davon ab
friert man schon wieder wie
in einem Hundestall. Da
zieht man den Überzieher garnicht
mehr aus. Das schönste ist wenn
man sich Abends in die Hän-
gematte packen kann und sich
ordentlich in die warmen
Decken einzuwickeln. Aber
das Vergnügen kann unser-
einer sich auch nicht immer
leisten da muß man noch alle
zwei Nächte vier Stunden
Wache gehen. Da können
Johannes und Hermann sich
freuen. Johannes der nach
seinem Tageswerk bei
Muttern in die warme
Stube krauchen kann und
Hermann der sich die
Fingerchen am Backofen
erwärmen kann.

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Aber darum liebe Eltern
sind wir doch noch immer
kreuzfideel und puppen-
lustig und singen:
Lasset uns das Leben genießen
Laßt uns froh und heiter sein
den die fröhlichen Stunden verfließen
schenket ein und trinket aus
    "     "   "    "      "
Zum Schluß die herzlichsten
Grüße
Es wünscht Euch allen
ein lustiges fröhliches
Weihnachtsfest Euer Sohn
Peter

 

Anmerkungen:

[Unsicher…] haben wir alle Stellen markiert, die wir nicht sicher übersetzen oder gar nicht entziffern konnten.
Ortsbezeichnungen haben wir markiert, um einen schnellern Überblich zu haben.
Personennamen haben wir ebenfalls markiert, um einen schnellern Überblich zu haben.
[n] Fußnoten werden, sofern vorhanden, hierunter aufgeführt.

Ein Gedanke zu „Weihnachtspost vermutlich 1904“

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