Brief aus Hong-Kong vom 30. April 1905

Der Sperber wurde nach Kamerun beordert. Eine gute Gelegenheit für den Obersignalmasten Peter Ingwardsen sich mal wieder zu Hause zu melden. Endlich bekommt er nun etwas von der Welt zu sehen. Das Sparen soll erst nächstes Jahr losgehen, doch Peters Rechenkünste scheinen ein wenig blauäugig zu sein.

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                         Hong-Kong d. 30. 4. 05
                         
Liebe Eltern und Geschwister

da ich gerade viel Zeit habe
und sich hier draußen viel
neues ereignet hat war es mir
Bedürfniß Euch einige Zeilen zu
schreiben. Wie Ihr seht sind wir
augenblicklich in Hong-Kong.
Wir sind nämlich auf der Reise
nach Kamerun (Westküste von
Afrika). Wir waren auf dem
Jangsee-Fluß in Kinkiang als
wir ein Telegramm, daß Sperber
sofort ausrüsten sollte um die Reise
nach Kamerun anzutreten und
jetzt sind wir schon auf dem Wege
ins Negerland macht Euch nur keine
Sorgen hauptsächlich Du liebe Mutter
wegen der langen Seereisen mit
dem kleinen Sperber.
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Denn macht es Vergnügen
ein wenig die Welt zu bereisen.
Ihr könnt ja schön die Reise verfolgen
da Ihr ja eine weltenkarte habt. Wo
der Sperber ist könnt Ihr ja aus der
Zeitung[1] ersehen. Hier in Hong-Kong wer-
den Kohlen genommen. Am 3ten Mai
gehts von hier nach Singapore weiter.
Von da über Reise mehr. Du
schreibst lieber Vater wegen dem
Geldsparen. Da ich kann ich Dir leider
nur schreiben, daß ich bis jetzt noch
keinen Heller gespart habe, denn
die 15M die ich jetzt bekomme brauche
ich alle. Man geht mal an Land,
und das kostet hier draußen
immer 5M. dann geht man im
Monat 2 mal an Land und 10M sind hin
die andern 5M gebraucht man schon an
Bord. Das Geld wollte ich erst von April
1906 nach Hause sparen denn vom April
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ab bekomme ich 20M Zulagen zusammen und da
wollt ich jeden Monat 25M sparen
daß wären 100M un dann noch
100M Kleidergeld daß machen
200M. Jetzt werde ich aber wahrschein-
lich Weihnachten bei Euch zu Hause feiern
denn in Westafrika werden wir
halbjährlich abgelöst wegen des ungesunden
Klimas. Bestimmt kann ich das aber
nicht sagen den bei der kaiserlichen
Marine ist kein Ding unmöglich.
Hoffentlich geht es Euch bis dahin
alle gut das wir uns Gesund
und munter wiedersehen.
Von Singapore aus mehr
Euer Peter auf Reisen

 

Anmerkungen:

[Unsicher…] haben wir alle Stellen markiert, die wir nicht sicher übersetzen oder gar nicht entziffern konnten.
Ortsbezeichnungen haben wir markiert, um einen schnellern Überblich zu haben.
Personennamen haben wir ebenfalls markiert, um einen schnellern Überblich zu haben.
[n] Fußnoten werden, sofern vorhanden, hierunter aufgeführt.

  1. Ob es von diesen „Positionsmeldungen“ in der Zeitung noch irgendwo Archive gibt? Am besten wäre natürlich online.

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