Peters bittere Aufgabe

Der Nachruf auf Peter Ingwardsen, der vermutlich im Flensburger Tageblatt vom 2. April 1938 erschien, errinnert an seine „bittere Aufgabe […], das Luftschiff, das an Frankreich abgeliefert werden mußte, an seinen Bestimmungsort zu bringen„.

Luftschiffharry konnte mir mitteilen, dass es sich dabei um den LZ 121 „Nordstern“, später umbenannt in „Méditerranée“, handelt. Leider las ich in der selben Mail auch: „… es bleibt derzeit unklar, ob er dies als Kommandant oder (nur) als Steuermann tat.“

Nun bin ich ja ein ausgewachsener Luftschiff-Laie, also allerhöchste Zeit für einen Blick in die Wikipedia:

Während nach dem ersten Weltkrieg der Vertrag von Versailles mit der „Schütte-Lanz Luftschiffgesellschaft“, die ausschließlich militärische Starrluftschiffe gefertigt hatte, den einzigen ernstzunehmenden Konkurrenten aus dem Rennen geworfen hatte, hoffte die Zeppelingesellschaft, nach dem Tot von Graf von Zeppelin 1917 inzwischen unter der Führung von Hugo Eckener,  und die DELAG, rasch ihre Passagierfahrten wieder aufnehmen zu können.

Kleiner Einschub: Hugo Eckener war ebenfalls Flensburger und soll der Idee „Luftschiff“ vor seinem ersten Treffen mit dem Grafen von Zeppelin eher negativ gegenübergestanden haben. Zurück zum Nordstern.

Es gelang zwei kleinere Zeppeline fertigzustellen. LZ 120 „Bodensee“ stieg im August 1919 erstmals auf. Das 120,8 m lange und mit 132,5 km/h Höchstgeschwindigkeit bis dahin schnellste Luftschiff beförderte wohl noch im selben Jahr fast 2400 Fahrgäste, die meisten davon im Liniendienst zwischen Friedrichshafen am Bodensee und Berlin.

LZ 121 „Nordstern“ wurde Januar 1920 fertiggestellt, die Indienststellung war für das Frühjahr vorgesehen. Der Betrieb der beiden Luftschiffe „Bodensee“ und „Nordstern“ wurde jedoch bereits um das Ende des Jahres 1919 von den Alliierten untersagt. Die Zeppeliner hegten jedoch die Hoffnung, dass es sich bei dieser Maßnahme nur um eine vorübergehende Zwangspause handelte.

War es aber nicht, denn während der Konferenz der Siegermächte des Ersten Weltkriegs im Juli 1920 in Spa und durch eine schriftliche Anordnung des Kommissionsvorsitzenden General E. A. Mastermann vom 9. August 1920 wurde festgelegt, dass LZ 120 und LZ 121 an die Siegermächte als Reparationszahlung ausgeliefert werden mussten. In einer Note der interalliierten Luftfahrt-Kontrollkommission an die Reichsregierung wurde am 16. November 1920 mitgeteilt, dass durch die Botschafterkonferenz beschlossen worden war, die beiden Luftschiffe beschlagnahmen zu lassen. LZ 121 „Nordstern“ wurde Frankreich zugesprochen und im Mai 1921 teilten die französischen Behörden mit, dass in der Nähe von Versailles eine Luftschiffhalle für den Zeppelin bereit stände. Daraufhin wurde LZ 121 „Nordstern“, fast anderthalb Jahre nach der Fertigstellung, zum ersten Mal fahrbereit gemacht.

Am 13. Juni 1921 trat LZ 121 „Nordstern“ seine Überführungsfahrt nach Frankreich an. Abfahrt war um 11:30 Uhr, die Landezeit in Saint-Cyr-l’École war 21:12 Uhr mit einer elfköpfigen Besatzung, die weitestgehend der Probefahrt-Mannschaft entsprach.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Zeppelin
http://de.wikipedia.org/wiki/LZ_121
http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Eckener

Ob Peter Ingwardsen wohl auch Teil der Probefahrt-Mannschaft war?

 

 

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